Samstag, 8. Juni 2013

Autoreninterview mit Ivonne Keller, Autorin von Hirngespenster

Ivonne Keller

Da "Hirngespenster" ein absolutes Lesehighlight ist, habe ich Ivonne nach einem Interview gebeten:

Bitte stell dich kurz vor:
Mein Name ist Ivonne Keller, ich bin Autorin von Frauenromanen und Kurzkrimis.

1.      Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Durch Zufall. Es war 2008. Ich räumte unseren Keller auf und stieß auf alte Tagebücher, in denen ich mich festlas und aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Daraus entstand die Idee, meine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben - und während ich das tat, bekam ich die Eingebung zu meinem ersten Roman mit dem lustigen Arbeitstitel „Margot Bender und der Neger im Garten“.

2. Wie sieht dein Tagesablauf aus? Hast du eine bestimmte "Schreibzeit"?

Ich bin morgens beruflich eingespannt. Nachmittags ist bei uns immer eine Menge los, ich habe drei Jungs, die mich auf Trab halten (im wahrsten Sinne des Wortes ;)). Daher bleibt mir fast nur der Abend zum Schreiben. Ich schreibe im Bett oder auf dem Sofa, auf meinem Sitzsack, auch mal auf dem Balkon oder auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn. Wenn es sein muss, auch auf dem Spielplatz. Am Schreibtisch schreibe ich nie. Und eine feste Zeit gibt es auch nicht. Aber ich schreibe jeden Tag.

3. Welche Tipps würdest du angehenden Schriftstellern geben?

Sehr interessante Frage. Vor allem: Ab wann ist man „angehend“? Das wäre so, als ob man beschließt: So, jetzt werde ich Schriftsteller. Aber vielleicht gibt es das tatsächlich. Wenn man sich also mit dem Gedanken trägt, eine bestimmte Geschichte erzählen zu wollen, man weiß aber nicht, wie, dann würde ich ein Grundlagenseminar bei der Textmanufaktur empfehlen, oder die Werke von Elisabeth Goerge und James Frey zum Thema Schreiben lesen. Hätte ich das vor meinem ersten Roman gemacht, hätte ich nicht fünf Jahre später (also jetzt) 250 Seiten von 750 streichen müssen und zwei Monate lang alles umschreiben. Mein Roman war voller indirekter Rede (so wie in der Schule gelernt). Ansonsten viel zu viele Floskeln, Dopplungen, Adjektive, das ganze Programm. Mein Tipp: Mit Kurzgeschichten anfangen und die bei Wettbewerben einreichen. Oder bei neobooks mitmachen – dort bekommt man sehr gutes Feedback für seine Geschichten und damit auch ein Gefühl dafür, was man vielleicht noch verbessern könnte. Man lernt auch, indem man die Werke anderer Autoren dort liest.  

4. Wie ist die Idee zu den Figuren von Silvie, Anna und Sabina entstanden?

Zuerst war da die Idee um das, was mit Silvie passiert ist. Ich wollte unbedingt ein Buch darüber schreiben (ohne jetzt zu viel vom Plot zu verraten),wie sich jemand fühlen muss, von dem die gesamte Umwelt annimmt: Der bekommt nichts mit. Und was diese Person unternehmen könnte, um die anderen vom Gegenteil zu überzeugen. ; ) Da diese Idee nicht für einen gesamten Roman ausreichte, brauchte ich eine Geschichte „dahinter“. Und die ist während des Schreibens gewachsen. Ich bin also, wie man daran sieht, eine Spontanschreiberin. Wobei ich daran glaube, dass in meinem Gehirn schon irgendwo die ganze Geschichte schlummert, ich sie nur Stück für Stück entdecke. Denn warum Jens, Silvies Liebhaber, Versicherungsfritze ist, wurde mir selbst erst zum Ende hin klar.

5. Welche Figur hat am meisten Anteile von dir?

Silvie. Ich kämpfe auch sehr für mein Glück. : )

6. In deinem Buch kommt Olga, eine Russin, die Sabina aus dem Kaffeesatz
liest, vor. Hast du dir auch schon einmal die Zukunft vorhersagen lassen?

Nein, noch nie, vor so etwas graut mir! Das Einzige war (und ich wurde überrumpelt, sonst hätte ich es nie getan), dass ich mir das Geschlecht meines ersten Sohnes pendeln ließ. Der Pendler (ein Arbeitskollege), pendelte weiterhin, dass ich noch einen Sohn bekomme und dann kein Kind mehr. Na ja, jetzt habe ich drei Jungs… ; ) Aber das hat mich lange beschäftigt. Da war der Wunsch nach einem dritten Kind und angeblich bekam ich doch keins mehr. Ich dachte ernsthaft darüber nach, ob ich evtl. vorher den Löffel abgeben werde. (Kein Witz)

7. Welche/n Schriftsteller/in würdest du gerne einmal treffen und was
würdest du sie/ihn fragen?

Unbedingt Petra Hammesfahr (ich habe das schon öfters kundgetan - ich weiß nicht, ob es ihr vielleicht irgendwann mal zu Ohren kommt und mein Traum wahr wird…). Ich würde sie fragen, wie sie arbeitet. Wie sie ihre Charaktere erfindet, wie sie plottet, alles. Zwei Stündchen würden mir schon reichen. ; )

8. Was machst du, wenn du nicht schreibst?

Ich arbeite hauptberuflich als Personalerin, nebenberuflich bin ich Mädchen für alles bei einem Handelsunternehmen, und nachmittags kümmere mich um meine Familie. Ich kann nicht über Langeweile klagen.

9. Wie beurteilst du den eBook Markt?

Ich blicke da nicht durch. eBooks von Selfpublishern scheinen besser zu laufen, als eBooks von Verlagsautoren. Für mich als Autorin bietet dieser Markt die Chance, es selbst zu versuchen.

10. Kontakt zu den Lesern über FB, Homepage, Twitter und sozial Media. Wie wichtig ist dir der Kontakt zu deinen Lesern?

Ich finde diese Kontakte wunderbar und freue mich, wenn ich Rückmeldungen zu meinem Roman bekomme. Ich antworte jedem, der mir schreibt. Ich twittere allerdings nicht. Das ist nicht so meine Welt. Und der Zeitaufwand fürs Internet ist enorm – wann sollte ich dann noch schreiben? Ich beteilige mich – aber nicht übermäßig. Und ich springe auch nicht auf jeden Zug auf. Über FB habe ich allerdings so viele tolle Kontakte bekommen, das hätte ich mir nie träumen lassen.

11. Bist du zufrieden mit den Rückmeldungen, die zu "Hirngespenster" von
den Lesern kommen?

Sehr! Ich höre immer wieder, dass die Leserinnen noch tagelang über die Geschichte nachdenken müssen – das freut mich natürlich riesig.

12. Wie gehst du mit Kritik zu deinen Geschichten um?

Ich bekomme sehr wenig Kritik – dabei bitte ich immer darum. Ich bin der Meinung, dass man sich nur mit Kritik weiterentwickeln kann, weil man ja selbst betriebsblind ist. Wenn ich eine Kurzgeschichte schreibe, habe ich eine Reihe von Testleserin, denen ich sage: Ich will mindestens drei Kritikpunkte von dir hören!
Ich schreibe übrigens manchmal zu kompliziert. Meine Kurzgeschichten werden nicht immer verstanden. Das ist eine Gradwanderung, denn zu offensichtlich soll es ja auch nicht sein.

13. Welches Buch/eBook liest du denn gerade und wie gefällt es dir?

Ich lese derzeit „The mistery of Mercy Close“ von Marian Keyes und bin begeistert. Sie ist eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen. Kein typischer Frauenroman, sondern tiefgründig, spannend und lustig. Die Protagonistin ist depressiv – kein leichtes Thema, aber gut umgesetzt. Ich finde es toll, wenn Frauenromane fesseln wie Thriller.

14. In welchem Genre werden wir keine Geschichte von dir lesen können?

Fantasy, Science Fiction, Historische Romane. Für die ersten beiden Genres fehlt mir jegliche Fantasie, für das Dritte das Wissen und die Geduld.

15. Magst du uns etwas über dein aktuelles Projekt erzählen?

Ich schreibe gerade an einem Chicklit Roman, bei dem ebenfalls die Spannung nicht fehlt. Mir haben die Passagen von Olga in Hirngespenster so viel Spaß gemacht, dass ich mehr davon wollte. Die Nachbarin meiner neuen Protagonistin beschäftigt sich mit Engeln … Mehr verrate ich nicht, um mir (und euch) nicht die Spannung zu nehmen. 

Liebe Biggi, vielen Dank für deine tollen Fragen – das hat Spaß gemacht!

Ich danke dir, liebe Ivonne, und wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg. Ich bin schon richtig gespannt auf deinen neuen Roman, da mir die Olga in "Hirngespenster" total gut gefallen hat.  

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