Sonntag, 30. Juni 2013

Manche Selfpublisher und Umgang mit Rezensenten, Lesern und Bloggern


Da es in letzter Zeit einige unschöne Ereignisse in der Rezensentenwelt gegeben hat, hier einige Gedankenspiele zum Thema Selfpublisher und Umgang mit Rezensenten, Lesern und Bloggern

Was ist passiert?

Da ist ein eBook, mit zig 5 Sterne Rezensionen, das wird von einem Blogger nach ständiger Werbepräsenz des Buches gekauft. Das Buch ist total schlecht redigiert. Der Autor teilt dem Rezensenten mit, dass Rechtschreibfehler nichts in Rezensionen verloren haben und er ein korrigiertes Exemplar nach der neuen Veröffentlichung bei einem Verlag bekommen werde. Da das Buch voller Grammatik-, Rechtschreibfehler und Wortwiederholungen war, berücksichtigt der Blogger das in seiner Rezension. Es gibt noch mehr Leser, die eine kritische Rezension abgegeben haben. Die Rezensenten wurden beschimpft, auf FB entfreundet, blockiert. Das Buch bekommt noch mehr 5 Sterne Rezensionen, manch ein Rezensent hat denselben Namen wie der Autor. Auf Nachfragen eines Lesers, ob das Zufall wäre, verschwindet die Rezension. Dafür tauchen viele Rezensionen von Menschen auf, die nur einen Spitz- oder Vornamen besitzen, und die anscheinend nur die Werke von diesem Autoren lesen, manch einer hat noch eine Bratpfanne bewertet. Einer von diesen Lesern bezeichnet die 1 Sterne Rezensenten als Buchhalter.
Der Autor wird dieser Tage ein neues Werk veröffentlichen, schon der Klappentext ist nicht fehlerfrei ..

Ein anderer Autor schreibt unter einem Pseudonym ein Buch in einem ihm fremden Genre. Fast die ganze Autorengruppe schreibt ihm zu seiner neuen Veröffentlichung 5 Sterne Rezensionen. Das Buch können sie gar nicht gelesen haben. Denn ein Blogger stellt fest, dass viele Formulierungsfehler, Grammatikfehler, Wortwiederholungen darin enthalten sind. Seine Bewertung fällt entsprechend aus.  Diese Rezension ruft einen Leser aus den Tiefen des Internets (wieder ein Leser, der nur einen Vornamen oder Spitznamen besitzt), der irgendwas von Neid schreibt.

Ein Blogger schreibt eine Rezension zu einem Buch, das ihm überhaupt nicht gefallen hat. Auch hier fallen Fehler auf, die ein gutes Lektorat/Korrektorat vermieden hätte.

Es hagelt Kommentare über den Blogger. Ein Leser (auch dieser Leser scheint nur Werke dieses Autoren zu rezensieren) meint, der Blogger kenne sich im Genre nicht aus und sein Leben wäre sicher langweilig. Bei einer anderen 1 Sterne Rezension eines Buches dieses Autoren, wird dem Leser vorgeworfen, er wäre nicht in der Zielgruppe seiner Leser.

Gleichzeitig wird in einer Autorengruppe über diesen Blogger  hergezogen. Von Fake-Accounts, die dieser Blogger angeblich führt, von Stalker bis zu Internettroll ist die Rede. In diesem Thread gibt der Autor sogar zu, dass er das Lektorat/Korrektorat gespart hat, das koste zu viel Geld, so viel verdiene er mit seinen Büchern nicht.

Der Autor teilt seinen Gruppenkollegen mit, dass er Fake-Accounts anlegt, wenn er schlechte Rezensionen bekommt. Als Autor kann er darauf ja schlecht reagieren. Er wirft den Rezensenten dann Neid, etc. vor.

Manch ein Autor beklagt sich in dieser Gruppe, dass kein Blogger sein Buch rezensieren möchte.  Warum wohl nicht? Wer meldet sich wohl freiwillig ein Buch von einem Autoren zu lesen, bei dem sofort klar ist, dass der Rezensent als Stalker, Troll, Fake-Account Betreibender bezeichnet wird, wenn ihm das Werk des Autoren nicht gefällt?

Dieses Posting ist später wie von Geisterhand gelöscht.

Ein anderer Autor sammelt alle negativen Rezensionen und verkauft diese als eBook. Von Urheberrecht an den Rezensionen hat der wohl auch noch nie etwas gehört.

Liebe Autoren, wollt ihr uns Leser eigentlich für dumm verkaufen?

Schaut euch mal die 5 Sterne Rezensionen genauer an. Manche beinhalten nur 1 bis 2 nichtssagende Sätze, Lobhudeleien. Interessant sind die Personen, die hinter diesen Rezensionen stehen. Welche Bücher haben sie noch bewertet? Schnell kann man feststellen, dass es oft nur Bücher dieses Autoren sind. Man macht sich da so seine Gedanken, war da nicht weiter oben die Rede von Fake-Accounts? Schaut euch die Namen bei den 5 Sterne Rezensionen mal genauer an, kommen die euch aus Autorengruppen bekannt vor? 

Jetzt fragt ihr euch, warum lesen Blogger überhaupt noch solche Bücher? 

Es erscheinen täglich zig Bücher von Verlagsautoren. Die Zugriffe auf die Post von Rezensionen zu bekannten Verlagsautoren sind viel höher, als auf die Rezensionen von unbekannten Selfpublishern.  Genauso verhält es sich bei den Interviews. Das ist zumindest auf meinem Blog so.Andere Blogger bestätigen mir das.

Ja, warum rezensiere ich überhaupt noch Bücher von Selfpublishern?

Es gibt sie, die Autoren, die richtig gute Bücher schreiben. Diesen Autoren liegt viel an der Qualität ihrer Bücher. Sie achten Kritik. Sie schätzen die Blogger und ihre Leser. Diese Autoren unterstütze ich gerne. Diese Autoren sollen Geld mit ihrem tollen Buch verdienen.  Diese Bücherschätze empfehle ich gerne weiter. Ich freue mich, wenn diese Autoren neue Bücher schreiben. Und ich verschenke diese Bücher gerne!

Welche Möglichkeit hat der Leser, wenn der Klappentext mehr verspricht, als die 5 Sterne Rezensionen und das Buch halten?

Schaut euch die Rezensionen unter den genannten Kriterien genau an. Die Rezensionen von bekannten Blogs helfen euch mehr, ein gutes Buch zu finden. Gute Empfehlungen erhaltet ihr auch von Mitgliedern in Büchergruppen.
Natürlich gibt es immer negative Rezensionen, die bekommen auch Bestsellerautoren. Aber auch diese sind sehr interessant - vor allem die Kommentare von Autoren oder andere Rezensenten dazu. Über Geschmack lässt es sich nicht streiten, nicht jedem Leser gefällt das gleiche Buch.

Bei Amazon darf man innerhalb von 7 Tagen die eBooks zurückgeben. Von diesem Recht kann man  Gebrauch machen,  wenn die Qualität des gekauften eBooks überhaupt nicht stimmt  Bücher werden sicher besser, es wird mehr Wert auf ein gutes Lektorat/Korrektorat gelegt, wenn es an den Geldbeutel der Autoren geht. Der Markt wird sich selbst regeln.
 Jeder Blogger kauft und liest gerne gute Bücher. Blogger schreiben gerne gute Rezensionen, liebe Autoren. Wir brauchen dazu nur gute Bücher.

Der Krimikiosk hat hierzu auch etwas geschrieben: http://krimikiosk.blogspot.de/2013/06/der-sterne-trugerischer-schein-wenn.html



Kommentare:

  1. Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen. Danke!

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    1. Ich danke, dass ihr mir alle Recht gebt.

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  2. Toll geschrieben und auf den Punkt gebracht!

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  3. Ich habe auch schon ein paar Dinge über diese Bücher gelesen und finde das alles sehr schade, dass die Autoren so etwas machen. Ich selbst habe zu meinem Buch tolle Kritik von den Bloggern erhalten und finde den Kontakt daher sehr wichtig, weshalb ich selbst einen Blog besitze. Sie gingen von super, bis Abbruch. Aber mir wurde genau geschildert weshalb und ich habe diese Dinge geändert. Bei den Rezensionen zu meinem Buch konnte ich bereits erkennen, welche Qualität hinter den Rezensionen bei Amazon steckt. Selbst wenn ich eine fünf Sterne Rezension erhalten habe, war die Stimmung sehr verhalten, denn sie brachten weder mir noch dem Leser etwas. Daher finde ich es toll, dass die Blogger sich so viel Zeit mit dem Schreiben einer Rezension machen. Da haben wir Autoren erheblich mehr von und auch die Leser sehen genau, was sie erhalten. Schöner Post ;)

    LG Jens

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    1. Lieber Jens,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Klasse, dass du auf Kritik mit Verbesserung reagierst. So soll es doch auch sein und nur das bringt uns weiter.
      Liebe Grüße
      Biggi

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  4. Ein bisschen vielleicht doch:

    Verfälschte Rezensionen führen das ganze Bewertungssystem ad absurdum. Was nützen mir als Autor selbst "aufrichtige" 5-Sterne-Rezensionen, wenn sie niemand mehr ernst nimmt?

    Bleibt die Hoffnung, dass wahre Qualität sich tatsächlich irgendwann von selbst duchsetzt.

    Diese "Qualität" muss einem Werk allerdings erst wieder von anderen, von unbefangenen, kompetenten Lesern, bescheinigt werden.

    Teufelskreis.

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    1. Ich habe hier nicht alle 5 Sterne Rezensionen verteufelt. Ich habe darauf hingewiesen, worauf man als Leser achten soll, bevor man sich ein Buch kauft. Der Leser soll einfach kritischer werden und sich die Accounts der entsprechenden Rezensenten mal näher anschauen.

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  5. Erschreckend, was es alles gibt! Nett ist es, wenn Autoren auch einfach Posts unter ihrem Blog löschen, weil sie ihnen nicht passen... Amazon ist das größere Portal, aber was woanders stattfindet... ouch...

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    1. Liebe Evy,
      da gebe ich dir Recht. Ich habe hier Beispiele gewählt, über die ich gestolpert bin.
      Liebe Grüße
      Biggi

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  6. Es ist eine absolute Schande, wie einige Dumpfbacken die an sich gute Chance des Self-Publishing mit den oben beschriebenen Aktionen torpedieren und es letztlich allen ernst meinenden Autoren und Autorinnen erschweren. Ich kann nur hoffen, dass die Selbstreinigungskräfte des Netzes hier irgendwann greifen werden.

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  7. Sehr guter Beitrag Biggi! Ich musste in den letzten Wochen und Tagen auch ein paar Mal ordentlich schlucken... LG Kaddel

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    1. Liebe Kaddel,
      vielen Dank. Ich musst meinen Frust mit diesem Artikel los werden und hoffe, dass die Leser kritischer werden und die Autorenwelt sich selbst mal etwas kritischer betrachtet. Aber anscheinend fühlen sich mal wieder die Falschen angesprochen.
      Liebe Grüße
      Biggi

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  8. Das Thema lässt sich beliebig erweitern: Inzwischen gibt es »Angebote« (ich habe selber welche bekommen), die fordern Geld für die unerbetene Mühe einer positiven Bewertung - ansonsten könne es auch negativ abgehen …

    Auf der anderen Seite ist es bei Verlagen üblich, Praktikanten vor den Rechner zu setzen, um die hauseigenen Produkte gut- und Bücher von Wettbewerbern schlecht zu machen.

    Die »Erfindung« ist also nicht neu und sind keine Erfindung von »Junkie«-Gruppen bei Facebook, die sich gegenseitig hochstapeln …

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    1. Lieber Rupi,
      natürlich lässt sich das Thema erweitern.
      Habe ich irgendwo geschrieben, dass das Thema neu wäre?

      Anlass für diesen Artikel ist, dass ich aktuell über einige geschilderten "Fälle" gestolpert bin.

      Durch das Computerzeitalter ist die Hochstapelei einfacher geworden.

      Ich wollte die Leser dazu anhalten, Rezensionen kritischer zu betrachten und die entsprechenden Autoren, kritischer zu sein und Krtik anzunehmen. Ich habe einige PNs und Mails von Autoren bekommen, die dankbar sind, dass sich jemand traut, diese Zustände offen auszusprechen. Sie können das nicht, denn dann wird ihr Buch schlecht gemacht.
      Ich habe auch den Umgang mit Rezensenten, die sich kritisch über ein Buch äußern, angesprochen. Ist das in Ordnung?
      Liebe Grüße
      Biggi

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  9. Hallo, Deinen Beitrag fand ich besser und ehrlicher.
    Denn mir geht es auch so. Ich bin in erster Linie Blogger - zumindest sehe ich mich so, mit meinem Buchblog.
    Nun habe ich auch ein Buch geschrieben - im Selbstverlag, weil ich eben als Buchblogger auch neugierig über die Entstehung eines Buches war.
    Dieses Buch kommt gut an und ich habe sehr gute Bewertungen und keine schlechten.
    Von diesen Bewertungen ist keine einzige gefaket, das habe ich nicht nötig und ich mag es als Blogger eben auch nicht.
    Hier nun pauschal zu sagen - nein ich lese keine Selbstpublisher mehr ist genauso falsch, wie zu sagen, ich akzeptiere keine guten Bewertungen mehr.

    Aber das was diese Autoren teilweise sich leisten, geht halt auch ganz und gar nicht.... Und nein, am Lektorat darf man nicht sparen. Es muss ja kein Profi-Lektor sein, sondern oft reicht einfach ein Leser, der sehr gut Deutsch kann und ein paar Testleser, die auch Kritik äußern dürfen, bevor man veröffentlicht.

    Ansonsten - stimme ich zu - achtet auf die Bewertungen in den Blogs, da bekommt man die ehrliche Meinung mit. Darf man in Amazon einen Link zum Blog einfügen?
    LG Mella

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    1. Liebe Mela,

      ich habe bestimmte 5 Sterne Rezensionen gemeint, nicht pauschalisiert. Ich lese auch weiterhin Indies, denn es gibt total gute Bücher, denen ich einen großen Leserkreis wünsche.
      Deine Aussage, was das Lektorat betrifft, finde ich treffend. Ist es schlimm, wenn ein Autorenkollege etwas Kritik übt an einem Buch und dazu beiträgt, dass es so gut wird, dass es viele Leser bekommt? Anstatt eine 5 Sterne Rezi zu verfassen, die nicht berechtigt ist, weil Logikfehler, etc. in der Geschichte zu finden sind?
      Ich finde nicht.
      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob man bei Amazon seinen Blog verlinken darf.
      Liebe Grüße
      Biggi

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  10. Solche unschönen Begegnungen hat man leider immer wieder und sie ärgern mich maßlos. Ich habe mir angewöhnt schlechte Bücher einfach gar nicht mehr zu rezensieren, um solchem Ärger aus dem Weg zu gehen. Zudem möchte ich mich in meiner freien Zeit nicht mit schlecht lektorierten Büchern von Dilettanten herumquälen. Aber mir ist dieser Schlag von Menschen durchaus vertraut. Sie sitzen in unzähligen Literaturkreisen und -clubs und glauben der ganz große Goethe zu sein. Als hätte die Welt nur auf sie gewartet. Schriftstellerei ist und bleibt Handwerk (es gehört natürlich auch noch mehr dazu) und wer sein Handwerk nicht richtig lernen will, der hat unter den Autoren nichts zu verloren.

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  11. Es ist leider traurig, wie sehr eine großartige Sache wie Self-Publishing als Instrument für Indie-Autoren derartig durch gewisse "Autoren" (oder "Abzocker") in Verruf gebracht wird. Ich spüre das als relativ neuer Autor immer wieder, wenn ich auf Foren unterwegs bin und die Mitglieder hemmungslos gegen Ebookautoren wettern, als seien sie die Pest persönlich.

    Es sollte jedoch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass sich nicht jeder ein "gutes Lektorat" leisten kann.


    Was also tun, liebe Indie-Autorenkollegen? Macht es so, wie Mella oben bereits vorgeschlagen hat: Sucht Euch ein Korrektat, Menschen, die viel lesen, in Lehrberufen tätig sind oder sonstwie in der Lage sind, korrigierend einzuwirken. Es ist nicht wichtig, 100% der Fehler auszumerzen, aber auf ein verträgliches Minimum sollte man die Sache schon drücken.

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